Franz Dorfer
20.05.1950 - † 08.01.2012
Ein ganz persönlicher Abschied von einem Freund
Du wurdest 61 Jahre alt....das ist doch kein Alter zum Sterben, und Du warst nicht mehr bei Bewusstsein, als ich in der Intensivstation des Mödlinger Krankenhauses Deine Hand streichelte. Als ich Dir mein letztes „Servus" sagte und Dir mit dem Daumen meiner rechten Hand ein Kreuzl auf Deine feuchte Stirne zeichnete, musste ich beim Hinausgehen auf die Tränenbremse steigen, indem ich an den letzten Männerwitz dachte, den Du mir unlängst erzähltest. 15 Stunden später warst Du tot.

v.l. Kurt Schindler, Ferdinand Pachler, Franz Dorfer, Edip Sekowitsch, Josef Kovarik, Biko Botowamungo und Joe „Tiger" Pachler
Geboren wurde Franz Dorfer am 20. Mai 1950 in Waidhofen an der Ybbs. Seine Eltern besaßen einen großen Bauernhof mit Schweinen, Kühen, Hühnern und einer großen Waldwirtschaft und nach altem Brauch war der älteste Sohn Franz der nächste Bauer. Er wurde aber kein Bauer, sondern zunächst Käser in einer Milchfabrik. Ich war auch sehr erstaunt, als ich den jungen Boxer kennen lernte, dass er mir nicht von seinem gefährlichen rechten Haken erzählte, sondern wie die Löcher in den Schweizer Käse kommen. Dann rückte er beim Bundesheer in St.Pölten ein und dort wurde er von einem gefährlichen Virus befallen, den er ein Leben lang nicht loswurde: vom Boxvirus
Nachdem er beim Heer abgerüstet hatte geht er nicht auf seinen Bauernhof zurück und auch nicht in die Käsefabrik, sondern in die Gendarmerieschule nach Mödling und in Vösendorf, wo er am 17.Jänner 2012 begraben wird, begann er als Hilfsgendarm zu arbeiten. Jetzt suchte er noch einen Platz, wo er seinen Boxvirus großziehen konnte...und den fand er beim Boxclub Schwarz-Weiß Wien.
Der Clubtrainer Josef Kowarik erinnert sich genau: „Es war das Jahr 1972, mein Schützling Josef Pachler aus dem Kärntner Lavanttal, der später als Profi „Joe Tiger" genannt wurde, hatte gerade seinen ersten Staatsmeistertitel erobert da erschien bei mir der Hilfsgendarm Franz Dorfer, der beim Bundesheer schon einige Kämpfe bestritten hatte und jetzt bei mir boxen wollte. Beim ersten Training merkte ich sofort, dass der Herr Hilfsgendarm sehr talentiert war und nachdem ich seine übergroße Selbstsicherheit ein wenig eingebremst hatte, ordnete er sich meiner Führung unter und er profitierte auch vom tollen Teamgeist unseres großartigen Teams: Die Gebrüder Pachler, Sittler, Gorgiev, Pucher und Findenig puschten sich im Training und Sparring immer weiter nach vorne und so wurde der Jung-Gendarm Franz Dorfer immer besser und stärker. Von 1973 weg wurde er viermal hintereinander Österreichischer und Wiener Meister." Kowarik unterbricht seine Schilderung mit einem wehmütigen Lächeln. „Franz war ein cleverer Boxer, der seinen Kampf taktisch so aufbaute, dass er seine Hauptwaffe, den rechten Haken, perfekt ins Ziel bringen konnte.
Der Halbmittelgewichtler Franz Dorfer (71 kg) schlug genau so hart wie ein Schwergewichtler!". Und so wurde er einer der besten Amateurboxer der letzten drei Jahrzehnte, denn er war mit seiner Bronzemedaille im Halbmittelgewicht bei den Box-Europameisterschaften 1975 in Kattowitz (Polen), der bisher letzte Österreicher, dem es gelungen war eine Medaille zu erobern. (Damals gab es ja noch keine School-Boys und Jugend-Europameisterschaften). Franz Dorfer hatte damals im Semifinale, mit seinem Paradeschlag, dem rechten Haken, sogar den späteren Europameister Vislav Rudkowski auf die Bretter geschickt. Der Pole konnte jedoch weiterboxen und gewann noch nach Punkten. Ein Jahr später saß ich in Montreal bei den Olympischen Spielen 1976 wieder als Kommentator am Ring und hatte diesmal nichts Erfreuliches zu berichten, Franz schied bereits in der ersten Runde aus. Und dann wechselte das Amateur Erfolgsteam Dorfer-Kowarik zu den Profis.
Diese Karriere war passabel, ich hätte mir aber von Dir mein Freund, ein bisschen mehr erwartet. (Ich wollte und hoffte, dass Du mindestens Europameister wirst und das hättest Du auch locker drauf gehabt)."
Nach dem 8. Profikampf heiratete Franz seine Brigitte, mit der er 2 Töchter hatte: Alexandra ist heute 32, Claudia 30 Jahre alt.
„Als Du mit 36 Jahren aufhörtest zu boxen hattest Du genau 36 Profikämpfe bestritten....23 davon gewonnen, 19 davon durch ko, 11 verloren und zweimal hast Du unentschieden geboxt Zwei Siege werden Dich am meisten gefreut haben, als Du den späteren Europameister und WAA Weltmeister Edip Sekowitsch zweimal vorzeitig besiegtest.
Und jetzt kam, überraschend und schmerzlich für uns alle, Dein Schlußgong. Vergessen werden wir Dich nie und wenn alle gestorben sind, die Dich persönlich kannten, dann bleiben Filme und Zeitungsberichte über den „boxenden Gendarm", die Deinen Namen über Jahrhunderte weitertragen.....ich werde weniger von Dir lesen, sondern öfter an Dich denken Dein Sigi Bergmann
Die Mitglieder des Österreichischen Boxverbandes verabschieden sich von einem großartigen Boxer. Unser aufrichtiges Beileid gilt seiner Familie.
Präsident Roman Nader